{"id":212,"date":"2006-06-28T16:18:17","date_gmt":"2006-06-28T14:18:17","guid":{"rendered":"http:\/\/trivialdelight.de\/?p=212"},"modified":"2022-08-15T10:09:54","modified_gmt":"2022-08-15T08:09:54","slug":"i-did","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/trivialdelight.de\/?p=212","title":{"rendered":"I Did."},"content":{"rendered":"<p>Im <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/wunderbar\/0,1518,416870,00.html\">Spiegel Online<\/a> gibt es einen ganz am\u00fcsanten Artikel \u00fcber die neue B\u00fcrgerlichkeit, die unter anderem im vermehrten &#8222;Sichtrauen&#8220; ihren Ausdruck findet.<\/p>\n<p>Nun bin ich ja verheiratet. Und den ersten Hochzeitstag haben wir auch schon hinter uns. Also kann ich ja schon mal nicht sagen, dass ich heiraten prinzipiell schlecht finde, denn das w\u00fcrde dann doch in argem Widerspruch zu einem bestimmten Tag im April 2005 stehen.<\/p>\n<p>Ich erinnere noch, wie mir vor ein paar Jahren eine Kommilitonin, mit der ich auch zusammen Abi gemacht habe, w\u00e4hrend einer Vorlesung die Hand unter die Nase hielt und mir mitteilte, dass sie jetzt verlobt sei. Wie \u00fcblich musste ich da erstmal schlucken. Nat\u00fcrlich sagt man da &#8222;Gratulation!&#8220; und &#8222;Toll!&#8220; und sowas und erkundigt sich mal, wann denn die Hochzeit geplant sei und all solche Sachen. Ich war ja auch nie gegen&#8217;s Heiraten. Ich erfuhr dann auch, dass sie und ihr Zuk\u00fcnftiger am Tage der Hochzeit dann ungef\u00e4hr anderthalb Jahre zusammen sein w\u00fcrden.<\/p>\n<p><em>Bitte was???<\/em><\/p>\n<p>Das habe ich jedenfalls gedacht, gesagt habe ich nichts. Ich g\u00f6nne wirklich jedem (na ja, fast jedem), dass er seinen Traumpartner findet und dann m\u00f6glichst gl\u00fccklich mit ihm oder ihr wird. Aber aller Romantik zum Trotz halte ich es doch prinzipiell f\u00fcr etwas verfr\u00fcht, nach weniger als einem Jahr Partnerschaft schon die Hochzeit zu planen. Zumal, wenn man gerade erst Anfang zwanzig ist.<\/p>\n<p>Wie auch immer. Aus meiner Stufe waren mindestens drei M\u00e4dchen vor mir verheiratet, wobei ich \u00fcber die genauen Umst\u00e4nde nicht Bescheid wei\u00df. Ich war auch auf keiner dieser Hochzeiten. \u00dcberhaupt war ich in meinem Leben auf insgesamt f\u00fcnf Hochzeiten, meine inbegriffen. Davon waren auch nur zwei kirchlich, und auf der einen war ich mal gerade knuffige vier oder f\u00fcnf Jahre alt und habe so ziemlich keine Erinnerung daran. Meine Hochzeitserfahrung h\u00e4lt sich also in ertragbaren Grenzen.<\/p>\n<p>Dass wir uns irgendwann auch entschieden haben, zu heiraten, hatte mehrere Gr\u00fcnde. Erstens mal stand f\u00fcr mich eigentlich schon fest, dass ich heiraten wollte. Die Frage war also eher wann. Zum Zeitpunkt der Hochzeit waren der Herr S. und ich dann schon satte f\u00fcnf Jahre zusammen, davon knapp zwei mit gemeinsamer Wohnung. Aus meiner Sicht reicht diese Zeitspanne aus, um einigerma\u00dfen einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, ob das was wird oder nicht. Der n\u00e4chste Punkt war ganz klar unromantisch der finanzielle Aspekt: einerseits die Steuern, andererseits die Krankenkasse. Ich w\u00fcrde nie allein aus finanziellen Gr\u00fcnden heiraten, aber man sollte nicht untersch\u00e4tzen, wie viel mehr da dann doch rauskommt.<\/p>\n<p>Ein letzter Grund (zumindest f\u00fcr mich), uns dann tats\u00e4chlich festzulegen, war im \u00dcbrigen das Datum. Nein, kein bl\u00f6des Schnapsdatum. Das finde ich ja immer eher albern, und dient ja auch nur dazu, dass man sich den Hochzeitstag besser merken kann. Wir haben dagegen an dem Tag geheiratet, an dem meine Oma ihren 90. Geburtstag gefeiert h\u00e4tte, fast genau 10 Jahre nach ihrem Tod und genau 54 Jahre nach ihrer eigenen Verlobung.<\/p>\n<p>Was ich dann gelernt habe, war Folgendes: Heiraten ist einfach. Wirklich.<\/p>\n<p>Wir waren ziemlich genau dreimal beim Standesamt. Einmal, um uns zu erkundigen, einmal, um alles festzuklopfen und einmal, um zu heiraten. Gekostet hat uns das 66 Euro. Billiger ging glaub ich auch nicht, da hatten wir schon das Basispaket ohne irgendwelche Extras.<\/p>\n<p>Auch sonst ist Heiraten wirklich einfach. Man kann ja auch ohne Ringe heiraten und ohne Trauzeugen. Trauzeugen hatten wir schon, Ringe keine. Den Standesbeamten haben wir ungef\u00e4hr drei Minuten vorher kennengelernt. Sicherlich kann man das auch sehr viel detaillierter und pers\u00f6nlicher planen, aber daran hatten wir beide kein richtiges Interesse. Nach drei\u00dfig Minuten hatte ich einen neuen Namen und einen Ehemann statt einem Freund und wir konnten nach Hause fahren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben wir noch gefeiert, und zwar bei meinen Eltern zu Hause. Eingeladen war Familie und ein paar Freunde. Insgesamt kamen wir da so auf 40 bis 50 Leute, allerdings hab ich nicht gez\u00e4hlt. Ums Essen und Trinken hatten sich meine Eltern gek\u00fcmmert, ein bisschen was wurde noch von anderer Seite dazugesteuert. Dazu kam, dass wir aufgrund des Datums an einem Montag geheiratet haben, es also eh nichts war mit bis in den Morgen feiern. Sogar ich bin am n\u00e4chsten Tag zur Arbeit gegangen, wenn ich mich richtig erinnere.<\/p>\n<p>So war&#8217;s also. Kirchlich haben wir nicht geheiratet und haben das auch nicht vor. Das liegt allerdings bei mir vor allem daran, dass ich mir ziemlich doof dabei vorkommen w\u00fcrde, auf eine kirchliche Hochzeit zu bestehen, wo ich doch nie in die Kirche gehe. Ich kann zwar verstehen, warum andere Leute das unbedingt wollen, f\u00fcr mich kommt es nicht in Frage. Meiner Ansicht nach kann man auch einfach so ein sch\u00f6nes gro\u00dfes Hochzeitsfest feiern.<\/p>\n<p>Bl\u00f6de Spiele gab&#8217;s auch nicht. Gott sei Dank. Ich kriege immer einen gro\u00dfen Schreck, wenn ich Hochzeitsberichte h\u00f6re oder lese, wo das arme Brautpaar mit irgendwelchen vermeintlich witzigen Spielen gequ\u00e4lt wurde. An dieser Stelle m\u00f6chte ich mal festhalten, dass ich ganz sicher keinen Spa\u00df daran h\u00e4tte, von meiner eigenen Hochzeit entf\u00fchrt zu werden, um dann in irgendeiner verrauchten Kneipe darauf zu warten, dass der Herr Br\u00e4utigam mich findet und ich endlich wieder zur\u00fcck darf. Au\u00dferdem will ich auch nicht, dass irgendwelche Freunde mir Sachen aus meiner Wohnung klauen, und nur gegen Erf\u00fcllung doofer Aufgaben wieder rausr\u00fccken. Diebstahl ist sowas. Und \u00fcberhaupt ist Walzer tanzen in umgekehrten Rollen (also Mann tanzt Frauenpart und andersrum) nicht ernsthaft am\u00fcsant. Ich kann ja noch nicht mal einen Walzer in richtigen Rollen tanzen. Meinen Brautstrau\u00df hab ich auch nicht geworfen. Statt dessen hab ich den getrocknet und im Schlafzimmer stehen.<\/p>\n<p>Jeder soll seine Hochzeit so gestalten, wie er mag. Ich wollte eine unkomplizierte Feier mit netten Leuten und leckerem Essen und hab das auch so bekommen. Am ersten Hochzeitstag waren wir in K\u00f6ln beim Japaner und haben da sch\u00f6n zu zweit gefeiert.<\/p>\n<p>Ringe haben wir \u00fcbrigens mittlerweile, aber sie passen noch nicht. Nachdem vor ein paar Monaten mein Opa gestorben ist, hat uns meine Mutter die Eheringe meiner Gro\u00dfeltern gegeben. Die m\u00fcssen wir jetzt noch anpassen lassen, sind aber bislang noch nicht dazu gekommen.<\/p>\n<p>Und ein Hochzeitslied gab&#8217;s auch. Darum hatte meine Mutter sich gek\u00fcmmert und noch extra die CD gekauft. Und beim kleinen Sektempfang zu Hause sang Dusty Springfield dann (quasi mir aus der frisch verheirateten Seele sprechend) &#8222;Son of a Preacher Man&#8220;.<\/p>\n<p>Letztlich kann man also feststellen.: Hochzeiten k\u00f6nnen ganz, ganz schlimm sein. M\u00fcssen aber nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Spiegel Online gibt es einen ganz am\u00fcsanten Artikel \u00fcber die neue B\u00fcrgerlichkeit, die unter anderem im vermehrten &#8222;Sichtrauen&#8220; ihren Ausdruck findet. Nun bin ich ja verheiratet. Und den ersten Hochzeitstag haben wir auch schon hinter uns. 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