{"id":278,"date":"2006-07-18T13:10:41","date_gmt":"2006-07-18T11:10:41","guid":{"rendered":"http:\/\/trivialdelight.de\/?p=278"},"modified":"2022-08-15T10:09:42","modified_gmt":"2022-08-15T08:09:42","slug":"un-komplimente","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/trivialdelight.de\/?p=278","title":{"rendered":"Un-Komplimente"},"content":{"rendered":"<p>Normalerweise werde ich eigentlich immer f\u00fcr \u00e4lter gesch\u00e4tzt als ich bin, wobei sich das auch so langsam relativiert und ich mich wahrscheinlich in der Wahrnehmung fremder Leute so langsam meinem tats\u00e4chlichen Alter ann\u00e4here.<\/p>\n<p>Ich hab das auch immer als Kompliment gesehen, wobei sich auch das vermutlich bald \u00e4ndern wird. Aber noch ist es ja noch nicht so weit, und man darf mich ruhig auf 28 sch\u00e4tzen, ohne von mir b\u00f6se angeguckt zu werden.<\/p>\n<p>Dass ich j\u00fcnger gesch\u00e4tzt wurde, ist mir eigentlich erst zweimal passiert und beide Male fand ich das eher nicht so prickelnd.<\/p>\n<p>Das erste Mal war letztes Jahr so um Karneval rum, wahrscheinlich Weiberfastnacht oder so. Jedenfalls standen wir, der Herr S. und ich, im Supermarkt an der Kasse, mit zwei Bier und noch irgendwelchem Kram, als mich die Kassiererin nach meinem Ausweis fragte. Bitte was? Mein Ausweis? Und wof\u00fcr? Die gute Frau wollte wissen, ob ich denn tats\u00e4chlich schon alt genug w\u00e4re, um zwei Flaschen Bier zu kaufen. Ich habe mich tats\u00e4chlich erstmal ein bisschen geweigert, ihr meinen Ausweis zu geben. Nicht unbedingt aus Trotz, sondern weil ich so verbl\u00fcfft war, dass ich es erstmal mental verkraften musste, dass die komische Frau hinter der Kasse mich auf mindestens sieben Jahre j\u00fcnger sch\u00e4tzte, als ich tats\u00e4chlich war. Rausgekramt hab ich ihn nachher schon.<br \/>\nIch habe nachher versucht, mir das ganze irgendwie zu erkl\u00e4ren und bin nur zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht zu Karneval eine Anweisung gab, besonders gut aufzupassen. Allerdings bin ich immer noch nicht ganz dahintergekommen. Darf man Bier nicht schon mit 16 kaufen? Und wenn ja, hat sie mich wirklich auf 15 Jahre gesch\u00e4tzt, also nur mal locker zehn Jahre j\u00fcnger? Mal abgesehen davon, dass ich mal vermute, dass die Jugendlichen, die es ernsthaft aufs Besaufen anlegen, wohl kaum mit zwei Flaschen Bier auskommen. Aber egal.<\/p>\n<p>Das zweite Mal war eigentlich noch grotesker. Dazu sollte man vielleicht noch erw\u00e4hnen, dass ich mit knapp 20 Jahren von zu Hause ausgezogen bin und auch vorher nur noch die H\u00e4lfte der Zeit \u00fcberhaupt zu Hause \u00fcbernachtet habe. 2003 sind der Herr S. und ich dann in unsere jetzige Wohnung gezogen. Ich wohne also schon ziemlich lange nicht mehr zu Hause und mein ehemaliges Kinderzimmer ist ziemlich schnell in ein Arbeits-\/G\u00e4ste-\/Wasweissich-Zimmer umgewandelt wurden. Irgendwie fehlten da die Sentimentalit\u00e4ten. Finde ich aber auch nicht schlimm, da ich auch keine gro\u00dfen Nutzen darin erkennen k\u00f6nnte, bei meinen Eltern in der Wohnung noch ein leeres Zimmer zu haben.<br \/>\nIrgendwann letztes Jahr klingelte es dann bei uns an der T\u00fcr und drau\u00dfen stand ein nettes M\u00e4del, dass mir wahrscheinlich wieder irgendeinen Telefontarif anbieten wollte, den ich Netcologne sei Dank<sup>1<\/sup> eh nicht abschlie\u00dfen k\u00f6nnte. Alles schon mal gehabt. Irritiert hat mich dann die erste Frage, denn die war &#8222;Sind deine Eltern zu Hause?&#8220;<br \/>\n\u00d6hm. Mal abgesehen von dem Duzen, dass mich zwar prinzipiell nicht st\u00f6rt, aber doch irgendwie komisch klingt&#8230; \u00e4hm&#8230; DAS IST MEINE WOHNUNG!!! MEINE, MEINE, MEINE! Ich zahle hier die Miete und putze den Flur (gelegentlich, ab und zu, wenn ich&#8217;s nicht vergesse) und bringe den M\u00fcll raus UND HAB DEN VERDAMMTEN MIETVERTRAG SELBER UNTERSCHRIEBEN!<\/p>\n<p>Puh. Abgeregt. War nicht so gemeint.<\/p>\n<p>Leider ist mir keine wirklich schlagfertige Antwort eingefallen, weil mir nie eine einf\u00e4llt, wenn ich gerade eine br\u00e4uchte, sondern immer erst nachher. Also hab ich nur etwas patzig &#8222;Das ist <em>meine <\/em>Wohnung&#8220; gesagt und sie dann vermutlich mit dem Netcologne-Argument abgewimmelt. Ich h\u00e4tte sagen m\u00fcssen &#8222;Nein, die sind nicht zu Hause, die sind n\u00e4mlich gerade hier&#8220;, was zumindest etwas originell und sogar die Wahrheit gewesen w\u00e4re, weil meine Eltern tats\u00e4chlich gerade zu Besuch waren.<\/p>\n<p>Aus irgendeinem Grund komme ich nach wie vor nicht \u00fcber diese Situationen hinweg. Vielleicht, weil mir sowas sonst nie passiert, und es auch noch nicht an der Zeit ist, dass ich es als Kompliment auffasse, wenn mich jemand j\u00fcnger einsch\u00e4tzt als ich bin. \u00c4ndert sich vielleicht noch. Wahrscheinlich sogar.<\/p>\n<p>&#8212;<br \/>\n<sup>1<\/sup> Offensichtlich lassen sich solche Tarife mit Netcologne-Anschluss nicht vereinbaren. Find ich super, weil ich dann sofort einen Grund habe, die Leute abzuwimmeln und mich gar nicht erst auf Diskussionen einlassen muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Normalerweise werde ich eigentlich immer f\u00fcr \u00e4lter gesch\u00e4tzt als ich bin, wobei sich das auch so langsam relativiert und ich mich wahrscheinlich in der Wahrnehmung fremder Leute so langsam meinem tats\u00e4chlichen Alter ann\u00e4here. Ich hab das auch immer als Kompliment gesehen, wobei sich auch das vermutlich bald \u00e4ndern wird. 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